Bad Herrenalb: Rewe und Penny erweitern das Dobeltal

Bad Herrenalb: Warum Rewe und Penny im Dobeltal erweitert werden sollen

Bad Herrenalb plant die Modernisierung seines wichtigsten Nahversorgungsstandorts. Eine aktuelle Auswirkungsanalyse untersucht, warum die Erweiterung von Rewe und Penny notwendig erscheint und welche Folgen sie für die Versorgung der Stadt und ihres Umlands haben könnte.

 

Das Dobeltal ist heute das Zentrum der Nahversorgung

Wer in Bad Herrenalb seinen Wocheneinkauf erledigt, fährt häufig ins Dobeltal. Dort bilden Rewe, Penny, Rossmann und weitere Geschäfte gemeinsam den wichtigsten Standort für die Versorgung des täglichen Bedarfs. Während sich die Innenstadt rund um Kurpromenade und Rathausplatz vor allem durch Gastronomie, Dienstleistungen und kleinere Fachgeschäfte auszeichnet, übernimmt das Nahversorgungszentrum im Norden der Kernstadt die Rolle des zentralen Lebensmittelstandorts.

Warum soll erweitert werden?

Die geplante Erweiterung verfolgt nach der Untersuchung nicht das Ziel, ein völlig neues Einkaufszentrum zu schaffen. Vielmehr sollen die bestehenden Märkte an heutige Anforderungen angepasst werden.

Geplant sind:

  • eine Vergrößerung des Rewe-Marktes von rund 1.550 auf knapp 1.950 Quadratmeter Verkaufsfläche
  • eine Erweiterung des Penny-Marktes von rund 810 auf etwa 1.025 Quadratmeter
  • insgesamt rund 615 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche für den Standort

Nach der Analyse sollen dadurch unter anderem breitere Gänge, eine bessere Warenpräsentation und modernere Verkaufsräume entstehen. Auch ein größeres Angebot an Bio- und Regionalprodukten wird im Zusammenhang mit dem Umbau genannt.

Bad Herrenalb ist gewachsen

Ein wesentlicher Grund für die Erweiterung liegt in der Entwicklung der Bevölkerung.

Innerhalb von zehn Jahren ist die Einwohnerzahl Bad Herrenalbs deutlich gestiegen. Auch der gemeinsame Nahbereich mit Dobel verzeichnete ein spürbares Wachstum, das über dem Durchschnitt von Landkreis und Land liegt. Gleichzeitig übernimmt Bad Herrenalb weiterhin die Versorgungsfunktion für umliegende Orte wie Rotensol und Neusatz.

Die Analyse sieht darin einen wichtigen Faktor für die zukünftige Leistungsfähigkeit des Nahversorgungszentrums.

Tourismus erhöht den Bedarf zusätzlich

Neben den Einwohnern berücksichtigt die Untersuchung auch den Tourismus. Als Kurstadt verzeichnet Bad Herrenalb jedes Jahr eine hohe sechsstellige Zahl an Übernachtungen. Besucher kaufen ebenfalls Lebensmittel, Getränke und Waren des täglichen Bedarfs ein und erhöhen damit die Nachfrage über die reine Wohnbevölkerung hinaus.

Karlsruhe statt Calw: eine ungewöhnliche Verflechtung

Verwaltungstechnisch gehört Bad Herrenalb zum Landkreis Calw. Beim Einkaufsverhalten zeigt sich laut Analyse jedoch ein anderes Bild: Über die S1 ist die Stadt eng mit Ettlingen und Karlsruhe verbunden, und die Einkaufsströme orientieren sich stärker in diese Richtung als ins Kreisgebiet. Für die Bewertung von Konkurrenzstandorten und Kundenströmen ist das ein relevanter Faktor.

Die Innenstadt erfüllt eine andere Funktion

Interessant ist die Unterscheidung zwischen Innenstadt und Nahversorgungszentrum.

Nach der Analyse eignet sich die historische Ortsmitte aufgrund ihrer Topografie und ihrer gewachsenen Struktur nur begrenzt für großflächige Lebensmittelmärkte. Stattdessen konzentrieren sich dort kleinere Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomie und Dienstleistungen.

Die Versorgung mit Lebensmitteln erfolgt dagegen überwiegend über den Standort im Dobeltal.

Die Bedeutung des Standorts hat zugenommen

Auch die Versorgung in den Ortsteilen hat sich verändert. Während Bernbach noch über eine Bäckerei verfügt, bestehen in Rotensol und Neusatz keine eigenen Lebensmittelgeschäfte mehr. Dadurch gewinnt das Nahversorgungszentrum für die gesamte Gemeinde zusätzlich an Bedeutung.

Moderne Supermärkte benötigen mehr Platz

Die Analyse verweist außerdem auf allgemeine Entwicklungen im Lebensmitteleinzelhandel. Moderne Märkte benötigen heute häufig größere Verkaufsflächen als noch vor einigen Jahren. Gründe dafür sind unter anderem:

  • bessere Barrierefreiheit
  • breitere Gänge
  • effizientere Logistik
  • größere Frischebereiche
  • eine übersichtlichere Warenpräsentation
  • veränderte Einkaufsgewohnheiten

Die Erweiterung wird deshalb als Modernisierung eines bestehenden Standorts beschrieben, nicht als grundlegende Neuausrichtung des Angebots.

Warum ist das trotz Kleinzentrum-Status überhaupt möglich?

Bad Herrenalb ist raumordnerisch als Kleinzentrum eingestuft, wofür grundsätzlich enge Grenzen für großflächigen Einzelhandel gelten. Die Analyse begründet die Ausnahme damit, dass es sich um die Sicherung der Grundversorgung handelt und nicht um die Schaffung eines neuen, überörtlich ausgerichteten Einkaufsziels. Diese Einordnung ist einer der zentralen Punkte, an denen sich die weitere Genehmigung entscheidet.

Offene Fragen rund um den Umbau

Rund um Vorhaben dieser Art stellen sich typischerweise dieselben Anschlussfragen. Auf Basis der bisher vorliegenden Informationen lassen sich einige davon bereits einordnen, andere bleiben derzeit offen:

Wann beginnen die Bauarbeiten? Dafür sind zunächst Bauanträge, Genehmigungen und ein Satzungsbeschluss zum geänderten Bebauungsplan erforderlich. Ein konkreter Baubeginn ist auf Basis der Analyse allein noch nicht bezifferbar.

Welche Parkplätze entfallen im Dobeltal? Mit der größeren Verkaufsfläche geht laut den bisherigen Planungsunterlagen eine Reduzierung der Parkplatzfläche einher. Details zur genauen Anzahl und zur Verkehrsführung sind Teil der weiteren Planungsschritte.

Wie verändert sich die Nahversorgung in Bad Herrenalb? Der Standort soll seine Funktion als zentraler Lebensmittelpunkt für die Kernstadt und die Ortsteile ohne eigene Nahversorgung festigen.

Welche Regionalprodukte sollen künftig angeboten werden? Die Analyse nennt ein erweitertes Angebot an Bio- und Regionalprodukten als Teil der geplanten Modernisierung, ohne dies bislang im Detail zu spezifizieren.

Fazit

Die geplanten Erweiterungen von Rewe und Penny sind Teil einer langfristigen Entwicklung der Nahversorgung in Bad Herrenalb. Die Untersuchung begründet das Vorhaben vor allem mit dem Bevölkerungswachstum, der Bedeutung des Tourismus, der zentralen Rolle des Dobeltals für die Lebensmittelversorgung, der engen Verflechtung mit dem Raum Karlsruhe und den veränderten Anforderungen an moderne Supermärkte. Ziel ist es, den bestehenden Versorgungsstandort an zukünftige Bedürfnisse anzupassen und seine Funktion für Bad Herrenalb und das Umland langfristig zu sichern.

Wie es mit Bauanträgen, Parkplatzsituation und Zeitplan weitergeht, dürfte in den kommenden Monaten deutlicher werden – sobald der Gemeinderat und das Bauamt die nächsten Schritte einleiten.

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