Albtal Sichtbar: BNN, KI und Gastronomie im Albtal

KI-generierte Werbung sorgt in der Gastronomie für Diskussionen. Zwei Beiträge der BNN aus Ettlingen, Karlsruhe und Waldbronn stellen die Frage nach Einheitslook, Individualität und Täuschung. Doch das Thema reicht weiter: Wie individuell ist Gastronomie überhaupt – und kann KI gerade kleinen Betrieben neue Möglichkeiten eröffnen?

Die Badischen Neuesten Nachrichten greifen aktuell ein Thema auf, das auch für Albtal Sichtbar interessant ist: den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz in der Gastronomie.

Im Beitrag „KI-Plakate in der Gastronomie: Wo Effizienz endet und Täuschung beginnt“ geht es um Restaurants, die KI für Werbetexte, Bilder und Gestaltung einsetzen.

Philipp Kungl greift das Thema in seinem Kommentar „KI-Plakate in Restaurants verderben den Appetit“ auf. Seine zentrale Kritik steckt bereits in der gedruckten Überschrift:

„Einheitsbrei verdirbt Appetit.“

Die Beobachtung dahinter ist berechtigt. Wer ähnliche KI-Systeme mit ähnlichen Anweisungen benutzt, bekommt schnell ähnliche Bilder, Formulierungen und Gestaltungselemente.

Aber ist KI tatsächlich die Ursache des Einheitsbreis?

Wie individuell ist Gastronomie ohne KI?

Diese Frage fehlt uns in der Diskussion.

Gastronomie lebt seit jeher auch von Übernahme, Interpretation und Trends. Erfolgreiche Restaurantkonzepte werden aufgegriffen, Gerichte weiterentwickelt, Präsentationsformen kopiert und Ideen aus anderen Ländern oder Küchen übernommen.

Das geschieht beim einfachen Restaurant genauso wie in der Spitzengastronomie.

Ein Gericht kann als eigene „Interpretation“ präsentiert werden. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die zugrunde liegende Idee neu ist.

Auch Einrichtung, Speisekarten, Produktwelten und Sprache folgen Moden. Was heute individuell erscheint, kann morgen bereits ein weit verbreiteter gastronomischer Stil sein.

KI hat diese Form der Angleichung nicht erfunden. Sie kann sie allerdings beschleunigen.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Wer kann sich Individualität leisten?

Noch interessanter wird die Diskussion, wenn man die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der Gastronomie betrachtet.

Johannes Rupp, der im BNN-Beitrag zu Wort kommt, führt das Hotel am Park in Waldbronn und ist stellvertretender Vorsitzender Gastronomie beim Dehoga-Kreis Karlsruhe. Kungl betrachtet das Thema ebenfalls aus einer gastronomischen Perspektive, in der professionelle Präsentation einen hohen Stellenwert besitzt.

Für viele kleinere Betriebe stellt sich die Situation anders dar.

Ein kleines Restaurant, ein Café oder ein Imbiss kann nicht selbstverständlich Fotografen, Texter, Grafikdesigner und eine Werbeagentur beschäftigen.

Die reale Entscheidung lautet deshalb häufig nicht:

KI oder professionelle Agentur?

Sondern:

KI oder selbst irgendwie machen.

Und genau hier verändert künstliche Intelligenz die Möglichkeiten.

Ein kleiner Betrieb kann damit Texte überarbeiten, eine Speisekarte übersetzen, Informationen für seine Website strukturieren oder seine Leistungen verständlicher präsentieren.

KI kann damit etwas ermöglichen, das bislang stark vom verfügbaren Marketingbudget abhängig war: professionelle Sichtbarkeit.

Die entscheidende Grenze: Entspricht das Bild der Realität?

Einen Punkt aus dem BNN-Beitrag halten wir für besonders wichtig.

Patrick Seiffert, Dehoga-Kreisvorsitzender, wird dort mit einem klaren Satz zitiert:

„KI-generierte Inhalte dürfen niemals die Realität verfälschen.“

Das ist eine sinnvolle Grenze.

Ein KI-generiertes Bild eines Burgers, einer Pizza oder eines Restaurants wird problematisch, wenn beim Gast der Eindruck entsteht, genau dieses Produkt oder diesen Raum vorzufinden – obwohl beides nicht existiert.

Nur ist auch dieses Problem nicht neu.

Professionelle Food-Fotografie inszeniert. Bilder werden bearbeitet. Werbeagenturen idealisieren. Stockfotografie kann eine Atmosphäre vermitteln, die mit einem konkreten Betrieb wenig zu tun hat.

Deshalb greift die Unterscheidung „KI = künstlich, Mensch = authentisch“ zu kurz.

Entscheidend ist etwas anderes:

Zeigt Werbung, was tatsächlich vorhanden ist?

Das ist unabhängig davon, ob eine Kamera, Photoshop, eine Agentur oder ein KI-Modell am Produktionsprozess beteiligt war.

KI kann Individualität zerstören – oder sichtbar machen

Hier liegt für uns der Kern der Diskussion.

Wenn ein Restaurant lediglich eingibt:

„Erstelle mir ein modernes Werbeplakat für ein italienisches Restaurant“,

darf man sich über ein austauschbares Ergebnis nicht wundern.

Der Fehler beginnt bereits beim Ausgangsmaterial.

Ganz anders sieht es aus, wenn die Grundlage aus dem tatsächlichen Betrieb kommt: Wer führt das Restaurant? Was wird wirklich gekocht? Woher kommen Produkte? Welche Gerichte haben eine Geschichte? Was unterscheidet den Betrieb von seinem Nachbarn? Welche Beziehung besteht zum Ort?

Dann lautet der Prozess nicht mehr:

Prompt → KI → Werbung

sondern:

Realität → Information → Struktur → KI → bessere Sichtbarkeit

Die Individualität kommt damit nicht aus der Maschine.

Sie kommt aus dem Betrieb.

Genau hier setzt Albtal Sichtbar an

Für Albtal Sichtbar ist diese Unterscheidung grundlegend.

Wir wollen mit KI kein künstliches Bild des Albtals erzeugen.

Interessant sind gerade die Dinge, die bereits vorhanden sind: Restaurants und Cafés, Handwerksbetriebe, Geschäfte, Menschen, Produkte, Orte und ihre Verbindungen untereinander.

KI kann helfen, diese Informationen zu ordnen, Zusammenhänge herzustellen, Texte verständlicher zu machen oder Informationen leichter auffindbar zu machen.

Sie sollte aber nicht erfinden, was vor Ort fehlt.

Daraus ergibt sich eine einfache Regel:

KI darf lokale Realität strukturieren – aber nicht ersetzen.

Vielleicht ist KI gerade für die Kleinen interessant

Die Diskussion über KI in der Gastronomie sollte deshalb nicht bei schlechten Werbeplakaten enden.

Denn dieselbe Technologie, die Einheitsbrei produzieren kann, kann einem kleinen Restaurant erstmals Werkzeuge geben, die früher vor allem größeren Betrieben mit entsprechenden Budgets zur Verfügung standen.

Das macht einen Betrieb nicht automatisch individueller.

Aber es kann ihm ermöglichen, seine tatsächliche Individualität besser sichtbar zu machen.

Und vielleicht ist genau das die interessantere Frage für die Gastronomie im Albtal:

Nicht, ob KI eingesetzt wird – sondern ob wir nach ihrem Einsatz noch erkennen können, welcher reale Betrieb, welche Menschen und welche Geschichte dahinterstehen.

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