Donald Pennet: Ulysse Collin und die Kontrolle im Champagnerhandel

9. Oktober 2026 | Persönliche Dokumentation von Donald Pennet

Eine Flasche Champagner auf eBay

Als wir 2019 und 2020 bei Assaggi-Weinhandel Champagner von Ulysse Collin verkauften, war die Nachfrage noch überschaubar. Die Weine waren unter Kennern bekannt, aber der spätere internationale Kult, verstärkt durch hohe Bewertungen von William Kelley, hatte seine heutige Dimension noch nicht erreicht.

Dann tauchte eine von uns verkaufte Flasche auf eBay in Italien auf.

Olivier Collin oder jemand aus seinem Umfeld wurde offenbar darauf aufmerksam. Danach erhielten wir keine weiteren Champagner von Ulysse Collin.

Ob der Weiterverkauf tatsächlich der Grund für die Einstellung der Belieferung war, kann ich nicht beweisen. Der zeitliche Zusammenhang war jedoch auffällig.

Für mich stellte sich eine einfache Frage: Welche Kontrolle darf ein Produzent über eine Flasche ausüben, nachdem sie rechtmäßig verkauft wurde?

Das Problem der Allokationen

Im Champagnerhandel bestimmen Produzenten häufig selbst, welche Händler welche Mengen erhalten.

Das ist zunächst legitim. Besonders kleine Weingüter können ihre begrenzte Produktion nicht unbegrenzt verteilen.

Schwieriger wird es, wenn Händler das Gefühl bekommen, nicht nur die Weine verkaufen, sondern auch das Verhalten ihrer Kunden kontrollieren zu müssen.

Ein Händler kann nicht verhindern, dass ein Kunde seine Flasche später weiterverkauft. Er kann ebenso wenig garantieren, dass sie im ursprünglichen Verkaufsland bleibt.

Gerade im europäischen Champagnerhandel stellt sich deshalb die Frage, wie sich selektive Vertriebsstrukturen mit dem freien Warenverkehr und dem Wettbewerbsrecht vereinbaren lassen.

Nicht jede Lieferverweigerung ist rechtswidrig. Verbindliche Wiederverkaufspreise oder bestimmte territoriale Verkaufsbeschränkungen können dagegen wettbewerbsrechtlich problematisch sein.

Französische Zollbehörden und die Befragungen von 2024

Im Jahr 2024 erfuhr ich direkt von CPH Wine, dass das Unternehmen von französischen Zollbehörden befragt worden war.

Nach den mir übermittelten Informationen wollten die Ermittler Namen von Champagnerproduzenten und Häusern erfahren, die bestimmte Vertriebsbeschränkungen praktizierten. Besonders interessiert waren sie offenbar an Ulysse Collin.

Auch von einer Befragung des Champagnerhändlers Cave du Forum erfuhr ich.

Die Untersuchung wurde mir als umfangreich geschildert. Ich selbst war jedoch nicht an den Befragungen beteiligt und habe keine Ermittlungsakten eingesehen.

Ich kann deshalb weder den vollständigen Umfang der Untersuchung noch ihre Ergebnisse bestätigen. Insbesondere lässt sich daraus kein rechtswidriges Verhalten von Olivier Collin ableiten.

Dennoch war die Information für mich bemerkenswert, weil die geschilderten Fragen der Ermittler Probleme berührten, die ich als Händler selbst erlebt hatte.

Wenn Wein zum Spekulationsobjekt wird

Die internationale Nachfrage nach bestimmten Winzerchampagnern hat den Markt verändert.

Hohe Bewertungen, geringe Produktionsmengen und internationale Aufmerksamkeit können die Preise erheblich steigen lassen. Flaschen werden nicht mehr ausschließlich zum Trinken gekauft, sondern auch gesammelt und weiterverkauft.

Damit entsteht ein Konflikt.

Produzenten möchten verhindern, dass ihre Weine zu Spekulationsobjekten werden. Händler müssen gleichzeitig wirtschaftlich unabhängig bleiben.

Der daraus entstehende Preisdruck im Weinhandel betrifft besonders kleine Unternehmen, die von begrenzten Allokationen und einzelnen Lieferanten abhängig sind.

Was von dieser Erfahrung bleibt

Ich habe Assaggi-Weinhandel aufgebaut, weil mich die Kultur des Weins und besonders die Arbeit unabhängiger Champagnerproduzenten faszinierte.

Doch auch diese Welt ist von wirtschaftlichen Interessen und Machtverhältnissen geprägt.

Der Fall Ulysse Collin war für mich eine frühe Erfahrung mit diesen Strukturen.

Wir verkauften eine Flasche. Ein Kunde bot sie später in Italien zum Weiterverkauf an. Anschließend verloren wir den Zugang zu diesen Weinen.

Mehr kann ich über den konkreten Zusammenhang nicht mit Sicherheit sagen.

Aber die grundsätzliche Frage bleibt: Wo endet die berechtigte Kontrolle eines Produzenten und wo beginnt die wirtschaftliche Freiheit des Händlers und seines Kunden?

Mit der Einstellung von Assaggi-Weinhandel im Oktober 2026 ist diese Frage für mich nicht bedeutungslos geworden.

Im Gegenteil. Sie gehört zu den Erfahrungen, die ich aus meiner Zeit im europäischen Weinhandel dokumentieren möchte.

 

Donald Pennet betrieb Assaggi-Weinhandel, einen auf Winzerchampagner spezialisierten Weinhandel. Der reguläre Geschäftsbetrieb wurde im Oktober 2026 eingestellt. Dieser Artikel ist Teil einer persönlichen Dokumentationsreihe über den Weinhandel, seine wirtschaftlichen Strukturen und die eigenen unternehmerischen Erfahrungen.

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