Donald Pennet: Friaul 2013 – Jermann, Schioppettino und Rilke
9. Oktober 2026 – Donald Pennet, ehemaliger Gastronom und Betreiber der Osteria Assaggi in Ittersbach (Karlsbad), erinnert sich an eine Reise ins italienische Friaul im April 2013. Nach seinen Erfahrungen im Piemont entdeckte er dort eine andere Weinkultur, die Gastfreundschaft der Region und Weine, die später ihren Weg auf die Weinkarte seines Restaurants fanden. Besonders in Erinnerung blieben ein Besuch beim Weingut Jermann, die rote Rebsorte Schioppettino und ein außergewöhnliches Naturerlebnis am Schloss Duino.
Friaul: Eine andere Seite der italienischen Wein- und Esskultur
Wer ein eigenes Restaurant betreibt, hat selten die Möglichkeit, längere Urlaubsreisen zu unternehmen. Auch für mich waren während der Jahre der Osteria Assaggi in Ittersbach längere Auszeiten kaum denkbar.
Nachdem ich zunehmend das Interesse am Piemont verloren hatte, beschloss ich, im April 2013 für einige Tage ins Friaul zu fahren. Die Hintergründe meiner Erfahrungen im Piemont habe ich bereits im Artikel Donald Pennet: Osteria Assaggi, das Piemont und die Frage der Weinpreise beschrieben.
Meine Kenntnisse der dortigen Weine waren zu diesem Zeitpunkt eher oberflächlich. Allerdings besaß ich ein wunderbares Kochbuch mit traditionellen Rezepten aus der Region. Besonders faszinierte mich die Verbindung italienischer, österreichischer und slowenischer Einflüsse.
Diese kulturelle Mischung wollte ich vor Ort kennenlernen.
Schon bei meiner Ankunft fiel mir die Gastfreundschaft auf. Im Hotel wurde ich mit einem Glas Friulano begrüßt. Eine kleine Geste, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Was mich besonders beeindruckte, war die Weinkultur. Ich hatte den Eindruck, dass die ganze Region den Wein lebte. Er gehörte selbstverständlich zum Essen, zur Gastfreundschaft und zum Alltag.
Gleich am ersten Tag besuchte ich ein Weingut, das Ramandolo ausschenkte, einen traditionellen Süßwein der Region. Daneben stand ein Fass mit Walnüssen und einem Hammer. Man konnte sich eine Nuss nehmen, sie aufschlagen und dazu den Wein trinken.
Diese einfache Geste ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Sie sagte für mich mehr über die Weinkultur der Region aus als manche aufwendige Verkostung.
Die Küche war herzhaft, bodenständig und deutlich anders als im Piemont. Die regionalen Weine passten hervorragend dazu. Gerade diese Selbstverständlichkeit, mit der Essen, Wein und Gastfreundschaft zusammengehörten, beeindruckte mich.
Offene Weinkeller und eine Entdeckung bei Jermann
Meine Reise fiel zufällig mit einer Veranstaltung zusammen, bei der zahlreiche Weingüter ihre Keller für Besucher öffneten.
Das bot mir die Gelegenheit, Produzenten und ihre Weine unmittelbar kennenzulernen.
Der Höhepunkt war eine Verkostung beim Weingut Jermann, einem der bekanntesten Erzeuger des Friaul.
Besonders überraschten mich die damaligen Preise für Privatkunden. Angesichts der Qualität erschienen sie mir ausgesprochen attraktiv.
Ich kaufte entsprechend großzügig ein, darunter Where Dreams Have No Name und weitere Weine des Hauses.
Für mich war das nicht nur eine schöne Verkostung, sondern auch eine Gelegenheit, interessante Weine für die Osteria Assaggi zu entdecken.
Eine weitere wichtige Entdeckung war Schioppettino, eine autochthone rote Rebsorte des Friaul.
Ich empfand diese Weine als deutlich unterschätzt. Sie besaßen einen eigenständigen Charakter und unterschieden sich erheblich von den Rotweinen, mit denen ich mich zuvor vor allem beschäftigt hatte.
Auch davon kaufte ich größere Mengen für mein Restaurant.
Schloss Duino und Rilkes Duineser Elegien
Die Reise hatte allerdings nicht nur gastronomische Gründe.
Seit vielen Jahren wollte ich Schloss Duino besuchen, jenen Ort an der Adriaküste, der eng mit Rainer Maria Rilke und der Entstehung seiner Duineser Elegien verbunden ist.
Für mich war dieser Besuch die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches.
Das eindrucksvollste Erlebnis hatte jedoch nichts mit Literatur zu tun.
Es war April. Während ich mich am Schloss aufhielt, kamen plötzlich schätzungsweise 2.000 Mauersegler vom Meer heran. Sie kreisten etwa zehn Minuten lang um die Türme, bevor sie ebenso plötzlich wieder verschwanden.
Ich habe dieses Bild bis heute nicht vergessen.
Es war einer jener seltenen Momente, in denen ein Naturereignis einen Ort stärker prägt als alles, was man ursprünglich dort gesucht hatte.
Triest besuchte ich auf dieser Reise übrigens nicht, obwohl mich die Verbindung der Stadt zu James Joyce durchaus interessiert hätte.
Was vom Friaul in der Osteria Assaggi blieb
Die Reise dauerte nur wenige Tage, hinterließ aber einen bleibenden Eindruck.
Anders als im Piemont, wo mich zunehmend die internationale Nachfrage und die Veränderungen der Weinkultur beschäftigten, begegnete ich im Friaul einer regionalen Küche und Weinkultur, die ich als besonders gastfreundlich und unmittelbar empfand.
Die Weine von Jermann und meine Entdeckung des Schioppettino fanden anschließend ihren Weg in die Osteria Assaggi.
Rückblickend waren solche Reisen für mich immer mehr als die Suche nach neuen Weinen. Sie verbanden Gastronomie, Kultur, Literatur und Landschaft.
Und manchmal bleibt von einer Reise nicht der berühmteste Wein oder das beste Essen in Erinnerung, sondern ein Schwarm Mauersegler, der für wenige Minuten über den Türmen eines Schlosses kreist.
Die Osteria Assaggi und später der Assaggi-Weinhandel gehören inzwischen zu meiner beruflichen Vergangenheit. Über die Einstellung des Unternehmens und die damit verbundene Verantwortung habe ich in Donald Pennet: Verantwortung und Transparenz geschrieben. Die Ereignisse rund um die Geschäftsaufgabe sind außerdem in der Dokumentation vom 7. Oktober 2026 festgehalten.
Die Erinnerungen an die Menschen, Landschaften und Weinkulturen, die meine Arbeit geprägt haben, bleiben davon unberührt.